Mehr Netto vom Brutto – mit diesem Wahlspruch ist die FDP ins Rennen um die Bundestagswahl im September 2009 gegangen. Die proklamierte Durchsetzung eines gerechteren Steuersystems hat wahrscheinlich einen Großteil dazu beigetragen, dass die FDP 14,6 Prozent der Stimmen erhielt und somit eines der besten Ergebnisse ihrer Parteiengeschichte erzielen konnte.
Ob Westerwelle, Lindner oder Flick: alle forderten lauthals, dass sich Arbeit wieder für das Gros der Menschen lohnen müsse. Besonders Geringverdiener sollten dabei von zusätzlichen Beitragsbelastungen verschont werden. Doch was ist von diesem Versprechen übrig geblieben?
Im Zuge der Umstrukturierung und Reformation des Gesundheitswesens unter der Schirmherrschaft von Philipp Rösler (FDP) werden die Krankenkassenbeiträge demnach von 14,9 Prozent auf 15,5 Prozent steigen; 8,3 Prozent entfallen auf den Arbeitnehmer, 7,2 Prozent auf den Arbeitgeber. Bei einem Jahresbrutto von 12.000 Euro entspricht das einer Zusatzbelastung von 36 Euro, bei 40.000 Euro von 80 Euro, bei 60.000 Euro von 78 Euro und bei 150.000 Euro einer von 77 Euro.
Auf Grundlage der Beitragsbemessungsgrenze für Höchstverdiener bleiben durch diese "Reform" primär Geringverdiener auf der Strecke. Zuzüglich zu den einkommensabhängigen Beitragserhöhungen, können die Krankenkassen noch einkommensunabhängige Zusatzbeiträge, also eine Art Kopfpauschale, erheben und ihren „Kunden“ noch stärkere Belastungen auferlegen.
Die Gesundheit des Volkes ist wie alles in der Geldsack-Demokratie längst zum "Kostenfaktor" geworden - der "Wettbewerb der Krankenkassen" um Marktvorteile und Kunden hat den eigentlichen Sinn der Gesundheitsvorsorge längst auf den Kopf gestellt. Die "Lösungen" der Probleme sind grundsätzlich finanzieller Natur: Dann müssen eben die Preise erhöht werden!
Zwar reichen die Aussagen der oppositionellen politischen Couleur sowie der Gewerkschaften von "Wahlbetrug", über "Wählerverrat", bis hin zu "Entlarvung der FDP", jedoch haben auch sie uns schon oft genug bewiesen, wie ernst ihnen die Wünsche und Sehnsüchte des eigenen Volkes am Herzen liegen.
Nun sind die demokratischen "Lösungen" natürlich keine echte Überraschung - im Gegenteil kann wohl nicht ernsthaft erwartet werden, dass Menschen mit der Überzeugung, dass Geld das Wichtigste im Leben ist, überhaupt etwas anderes sehen können. Vor allen Dingen auch dann nicht, wenn es aus irgendeinem uns unbekannten Grund Hunderte von Krankenkassen geben muss, die sich alle gegenseitig "Kunden" abwerben und sich letztlich doch wieder gegenseitig mit Ausgleichszahlungen ausgleichen und die alle die gleichen Verwaltungsabläufe unterschiedlich teuer zu lösen imstande sind.
Die Gesundheit ist in der realexistierenden Demokratie längst zur Frage des Geldsackes geworden – ausgerechnet jene, die stets jede Minderheit benachteiligt sehen und großzügig auf Kosten des deutschen Volkes versorgen, opfern die Gesundheit des deutschen Volkes aus "Kostengründen".
Kein Schüler, kein Student, aber auch kein Wissenschaftler oder Laie soll an endgültig bewiesene Tatsachen glauben, auch wenn es so in den Lehrbüchern dargestellt wird!