Mit strahlendem Sonnenschein begrüßte uns das böhmische Land. Erste Station unserer einwöchigen Reise war die Stadt Aussig an der Elbe. Zunächst hieß es für uns Quartier beziehen. Als Unterkunft diente eine kleine Arbeiterwohnung am Rande der Stadt, wo wir mit der für Böhmen typischen Gastfreundlichkeit warmherzig aufgenommen wurden. Gleich im Anschluss machten wir uns auf, die Umgebung der Stadt zu erkunden. Für den engstirnigen Blick des BRD-Konsumenten gibt es in Böhmen außer billigen Kneipen und Zigaretten nicht viel zu entdecken, wenn man von der weitbekannten Schönheit der Böhmischen Schweiz einmal absieht. Umso mehr aber gibt es für diejenigen zu erkunden, welche sich wie wir mit offenen Augen und Herzen der Schönheit des deutschen Ostens nicht verschließen. Und so führte uns der Weg in das die Stadt umgebende Bergland, zur Erben-Aussicht. Der steinerne Turm auf dem Brandthügel ( 420 Meter über dem Meeresspiegel ) wurde im Jahr 1933 vom deutschen Gebirgsverein gebaut. Der Aussichtspunkt wurde nach dem damaligen Touristenvorsitzenden Alexander Erben benannt, dem langjährigen Direktor der tschechischen Sparkasse in Aussig. Nach dem Aufstieg auf dem Turm eröffnete sich uns eine schöne Aussicht auf fast die ganze Stadt und auf das Böhmische Mittelgebirge.
Nachdem wir die schöne Landschaft ausgiebig genossen hatten begaben wir uns in das Stadtzentrum, wo neben belebten Straßen und den Oberleitungsbussen vor allem die Eduard Benes Brücke mit der Gedenktafel an die sudetendeutschen Opfer vom 31.Juli 1945 und die vielen historischen Gebäude ins Auge fallen. So zum Beispiel das Nordböhmische Opern- und Balletttheater, welches in den Jahren 1908 bis 1909 nach den Plänen des Wiener Architekten Alexander Graf erbaut wurde. Im Mai 1945 in "slawisches Benes- und Stalintheater" umbenannt, folgte nur einen Monat später eine weitere Namensänderung in "Städtisches Theater Usti nad Labem". Weitere Sehenswürdigkeiten sind unter anderem die barocke Adalbertkirche aus dem 18. Jahrhundert, in welcher 1972 die zweitgrößte Orgel der tschechischen Republik installiert wurde und die Maria Himmelfahrtskirche aus dem Jahr 1318. In der Zeit der Hussitenkriege wurden der Turm und das Dreierschiff vernichtet. Der Neubau begann erst nach 1452. Bei der Bombardierung der Stadt im April 1945 wurden die Fundamente des Turmes schwer beschädigt. Seither weicht der Turm von der vertikalen Achse um fast 2 Meter ab. Ein weiteres interessantes Gebäude ist Wittrusch. Das unübersehbare gelbe Gebäude welches über der Stadt thront und dessen Bau im Jahre 1847 beendet wurde, wurde auf Begehren der Bevölkerung errichtet deren größter Wunsch der Bau eines neuen Restaurantgebäudes war, welches Zierde der ganzen Stadt sein würde. Auch von hier aus bietet sich ein Blick auf die Stadt und auf die im Süden der Stadt liegende Burg Schreckenstein.
Die Burg Schreckenstein wurde im Jahr 1318 als Schutz des Handelsweges gegründet. Im Jahre 1842 hielt sich hier auch der deutsche Komponist Richard Wagner auf, der hier an der berühmten Oper Tannhäuser arbeitete. Die Burgruine, deren romantisches Aussehen schon immer bedeutende Persönlichkeiten anzog, beherbergt heute eine Ausstellung zur Geschichte der Burg und der nahen Region. Von der Terrasse der Gaststätte aus hat man einen herrlichen Ausblick auf das Elbtal. Die unterhalb der Burg gelegene Stauanlage mit Schiffshebewerk und Kraftwerk wurde in den Jahren 1923 - 1936 errichtet. Nur wenige Kilometer von Aussig entfernt, liegt die Ortschaft Kulm. Hier befindet sich eine Gedächtnisstätte an die zweitgrößte Schlacht der Napoleonischen Kriege im Jahr 1813. Von dem Künstler welcher den auf dem Turm wachenden Löwen schuf weiß der Volksmund zu berichten, dieser habe sich auf den Stufen vor dem Turm in den Freitod gestürzt, nachdem die Bevölkerung sein Kunstwerk als Pferd missdeutete. Doch auch für Naturfreunde gibt es in Böhmen viel zu entdecken. So galt es auch für uns die Böhmische Schweiz zu erkunden, welche mit ihrem zerklüfteten Felswänden stark an das Elbsandsteingebirge erinnert, jedoch trotzdem unvergleichlich an Reiz und Schönheit ist. Einen Tag lang wanderten wir durch die Umgebung an den Tissaer Wänden, bevor sich unser Aufenthalt in Aussig dem Ende zuneigte und wir uns weiter nach Prag begaben.
Alsbald wir aus dem Zug gestiegen waren erfasste uns das hektische Treiben der Millionenmetropole. In den Stationen der U-Bahn, vor deren Betreten man unbedingt eine Fahrkarte lösen sollte, herrscht ein ständiges Treiben. Der größte Teil der Bahnstationen und Plätze im Stadtzentrum ist modernisiert und meist dreisprachig beschildert, so dass man sich sehr gut zurecht findet. Da es schon spät am Abend war, hieß es auch hier zunächst Quartier beziehen. Nach einem gemütlichen Abend mit unseren Gastgebern, bei welchem auch die aktuelle politische Lage erörtert wurde, hieß es am nächsten Tag die Sehenswürdigkeiten der Stadt erkunden, mit welchen Prag mehr als gesegnet ist. Mit Besichtigung von Staatstheater, Wenzeldenkmal, Altstädter Rathaus, Prager Burg, Veitsdom, altem jüdischen Stadtviertel und Karlsbrücke war also auch unser letzter Tag in Böhmen reich an Erlebnissen. An der Südmauer des Altstädter Rathauses befindet sich die berühmte Aposteluhr. Die ältesten Teile dieser Uhr sind das astronomische Ziffernblatt und die mechanische Uhr aus dem Jahr 1410. Damit ist sie weltweit die drittälteste Uhr dieser Art. Über die Karlbrücke gelangt man zur Wenzelburg. Die Brücke, deren Grundsteinlegung 1357 durch Kaiser Karl IV. erfolgte und deren Bauzeit sich bis zum Beginn des 15. Jahrhundert erstreckte, misst 516 Meter in der Länge und 10 Meter in der Breite und ist als Bogenbrücke mit 16 Bögen angelegt. Die weit sichtbare Wenzelburg ist das größte geschlossene Burgareal der Welt. Sie liegt auf dem Berg Hradschin und wurde im 9. Jahrhundert gegründet. Seitdem hat sich ihr Aussehen stark geändert. Generationen von Baumeistern verschiedenster Baustile waren daran beteiligt. Ihre Funktion als Sitz des Staatsoberhauptes blieb jedoch immer die Gleiche. Inmitten der Burganlage befindet sich der Veitsdom. Der Veitsdom wurde in seiner heutigen Form als gotische Kathedrale ab 1344 auf Anweisung Karls IV. erbaut. Die Geschichte des Baus aber reicht bis ins 10. Jahrhundert zurück. Der Dom beherbergt die Gräber vieler berühmter böhmischer Könige und Kaiser und ist in seinen Ausmaßen 124 Meter lang, 33 Meter hoch und 60 Meter breit. Der Hauptturm ragt 99 Meter in die Höhe.
Kein Schüler, kein Student, aber auch kein Wissenschaftler oder Laie soll an endgültig bewiesene Tatsachen glauben, auch wenn es so in den Lehrbüchern dargestellt wird!