"Was wäre Berlin ohne unsere Türken? Leerer, klar. Sicherer, sauberer, aufgeräumter. Nee, sie sind wirklich toll." Riesenapplaus im Saal. Oliver Pocher
Erntedank liegt nun schon einige Wochen hinter uns und der Herbst zeigt sich facettenreich. Mal von seiner goldbraunen, warmen Seite, mit der er die letzten Früchte des Jahres zur Reife bringt, teils aber schon recht windig und kalt. Wir fühlen den Übergang und mit den ersten Herbststürmen nehmen auch die mythologischen Gestalten ihre Fahrt über das Land auf. Wodan, der Oberste der Asen (Göttergeschlecht der germanischen Mythologie) führt als Totengott das Wilde Heer an.
Mit den Stürmen reitet diese schwarze Schar über die brachen Felder, verbreitet Schrecken unter den Menschen und sorgt dafür, daß wir geruhsame Stunden im Schutze unserer Stuben und im Kreis von Familie und Freunden verbringen. Noch ist es nicht ganz so weit, aber wenn sie kommen, hat das Toben auch sein Gutes. Das Stürmische Vergehen sorgt für ein fruchtbares Werden im folgenden Frühling.
Mit der dunklen Jahreszeit kommen in unserer Kultur und besonders im alpenländischen Raum auch wieder schaurig anmutende Masken und Verkleidungen zum Vorschein. So zum Beispiel bei den Perchtenumzügen oder in moderner Ausprägung bei den verkleideten Kindern, die zu Halloween von Tür zu Tür ziehen. Dieses zweite Beispiel ist nur mit großer Vorsicht als “Kultur” zu bezeichnen und wäre eine Diskussion an anderer Stelle wert.
Damit sind wir aber beim Thema: Halloween bzw. Allerheiligen oder Samhain und Einherjertag, wie dieses Fest auch genannt wird, steht uns am kommenden Wochenende bevor. Es ist das Fest zu Ehren der Toten, unserer verstorbenen Ahnen, und es ist kein Zufall, daß dieser Anlass gerade jetzt seinen Termin hat. Genau zwischen den beiden solaren Festen Erntedank, der vollendeten Reifung und der Wintersonnwende, der Neugeburt des Lichtes aus dunkelster Nacht, wird den Toten gedacht. Jahreskreis und Lebenszyklus werden synchronisiert und wir erkennen das grundlegende Prinzip von Werden und Vergehen, das vom Kleinsten bis ins Größte reicht und gültig ist.
Das Totenfest wird in der Nacht des letzten Tages im Gilbhard (Oktober) auf den ersten Nebelung (November) begangen. Ursprünglich orientierte sich der Festtermin am Lauf des Mondes, woher auch das Wort Monat rührt. Im heutigen, rein solar ausgerichteten, Gregorianischen Kalender, sind die Monate nur noch künstliche Konstrukte, die von den Mondphasen entkoppelt sind. Der Termin für Allerheiligen fällt daher auf den 1.11. . Egal, ob ihr euch am tatsächlichen Lauf des Mondes orientiert, oder den Abend auf Allerheiligen zum Anlass nehmt, nutzt diese Nacht bewusst, um euren Verstorbenen zu gedenken.
In der Zeit des Überganges zwischen den Jahreszeiten standen in der Vorstellung unserer Vorfahren auch die Tore zwischen der Welt der Lebenden und der Toten offen. Diese Nähe zu den Ahnen wurde genutzt, um mit ihnen in Kontakt zu treten und noch bis heute hat sich der Brauch gehalten, in dieser Nacht für die umherirrenden Seelen eine Kerze ins Fenster oder vor die Tür zu stellen, um ihnen den Weg zu weisen.
Nicht die bloße Trauer um den Verlust der Verstorbenen geben dem Fest seinen Charakter. Es geht darum, ihrer Taten zu gedenken und das Erbe weiterzuführen. Wer sich selbst nicht nur als völlig unabhängige Einzelperson sieht, sondern die endlose Ahnenkette begreift, die ihm vorausgeht, wird auch seine Aufgabe erkennen, den Strom des Lebens am Laufen zu halten und die Kultur der Alten mit all unseren sinnvollen Errungenschaften in eine kommende Generation zu geleiten.
Die gedankliche Auseinandersetztung mit der Vergänglichkeit führt mich noch zu einer aktuellen Umweltproblemaktik, auf die ich euch in diesem Zusammenhang aufmerksam machen will. Es geht um ein künstlich erschaffenes Material, das uns im täglichen Leben ständig begegnet und durch seine Eigenschaften nahezu vollkommen aus dem natürlichen Stoffkreislauf genommen wurde: Plastik.
Hier die Verweise zu einer sehr sehenswerten Dokumentation:
Wie in den vorausgegangenen “Infopost”-Rundbriefen schon angesprochen, geht es nicht nur um das Erfassen und Begreifen eines Umstandes. Erst wenn die Information zu bewussten, neuen Handlungen führt, hat sie ihren Sinn erfüllt. Ich hab mir daher überlegt, wie ich den Verbrauch von Kunststoffen in meinem Alltag verringern kann und erst mal aufmerksam meine eigene “Müllproduktion” beobachtet. Zwei Bereiche, in denen besonders viel Plastik als Abfallprodukt angefallen ist, hab ich mir herausgegriffen und optimiert: Bad und Küche.
In diesem Zuge wurden beispielsweise PET-Flaschen und Tetrapacks gänzlich aus meinem Haushalt verbannt. Trinkwasser gibts aus der Leitung, Säfte und Bier in Glasflaschen und Milch ebenfalls in Pfandflaschen. Wenn sich das einmal eingespielt hat, läuft es reibungslos, ohne höhere Kosten oder mehr Aufwand. Zudem ist es gesünder, da keine Weichmacher aus dem Kunststoff in die Getränke abgegeben werden können. Weiteren Verpackungsmüll konnte ich stark reduzieren, in dem ich den Großteil meiner Lebensmittel auf dem Wochenmarkt einkaufe. Ich habe das Glück, an meinem derzeitigen Wohnort, dreimal die Woche einen Markt zu haben, wo ich Obst, Gemüse, Getreide, Käse, Brot, Eier, Honig und vieles mehr zu erschwinglichen Preisen kaufen kann. Das hat neben dem eingesparten Verpackungsmüll auch noch den Vorteil, daß vieles aus der direkten Region stammt und ich meine Ernährung dadurch automatisch an den Früchten der Saison ausrichte.
Auch im Bad war es nicht schwer, eine ganze Menge Plastik zu vermeiden. Flüssigseifen wie Duschgel, Shampoo oder Handseife, die allesamt in Kunstoffbehältern verpackt sind, habe ich konsequent durch Seifenstücke ersetzt. Fürs Händewaschen und Duschen gibts nun also Kernseife (gibts auch mit div. Aromen) und für die Haare eine spezielle Shampooseife, handgesiedet aus dem Kloster Leinau und zu beziehen unter manufactum.de. Um das Thema der vorherigen Infopost nicht aus den Augen zu verlieren, hab ich bei den Seifen darauf geachtet, daß zur Verseifung kein Palmöl verwendet wurde. Rasierschaum aus der Dose wurde ersetzt durch ein Stück Rasierseife, Körperlotion durch ein Pflegeöl in der Glasflasche. Auch noch bei einigen anderen Produkten konnte ich mühelos durch etwas Achtsamkeit beim Einkauf auf unnötigen Müll verzichten. Das Ergebnis ist eine deutlich weniger oft zu leerende Mülltonne. Mit diesen praktischen Beispielen will ich euch natürlich keine Vorschriften machen. Wie auch? Dazu bin ich nicht im Stande. Aber vielleicht denkt ihr ja beim nächsten Einkauf an diese Nachricht und wenn ihr euch einmal gründlich damit auseinandergesetzt habt, spielt sich alles ganz automatisch und ohne Mehraufwand ein.
Die Macht des Geldes anzuzweifeln, gilt in unserer “freien” Gesellschaft schon fast als sittenwidrig. Dennoch finde ich es sehr interessant, sich selbst die Frage zu stellen, was einem überhaupt zusteht. Bei ideellen Werten, wie beispielsweise Freiraum im geistigen und konkreten Sinne, komme ich zu dem Schluß, es müsste mehr sein, als uns das kapitalistische System zuspricht. Wenn es aber um Konsumgüter geht, unter deren Produktionsbedingungen Natur und Arbeiter zu leiden haben, berechtigt der Besitz von Geld meiner Auffassung nach nicht zu jeder Anschaffung, die das Vermögen theoretisch zulässt. Bei jeder Investition sind auch ethische Aspekte zu beachten, mit deren Wahrung man sich letzten Endes auch selbst einen Gefallen tut. Im Grunde sollte dieser Gedanke immer präsent sein, jedes mal, wenn eine Überweisung getätigt, oder der Geldbeutel geöffnet wir. Der eigene Einfluss als Konsument sollte nicht selbst unterschätzt werden.
Kein Schüler, kein Student, aber auch kein Wissenschaftler oder Laie soll an endgültig bewiesene Tatsachen glauben, auch wenn es so in den Lehrbüchern dargestellt wird!