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Nationale Sozialisten aus Mainz-Bingen




Aktualisierung: 01.08.2010
 


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National?-Feiertag

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Ja, ja, manchmal fällt der 3. Oktober eben auf einen Mittwoch. Und nein, wir begehen hier nicht den Todestag von Franz Josef Strauß, sondern eine willkürliche Festlegung von Helmut Kohl. Früher hatten wir ganz andere Nationalfeiertage (sogar völlig ohne Fragezeichen dazwischen). Da gab es den Reichsgründungstag, an dem heute noch viele Studentenverbindungen eine Kneipe veranstalten. Nicht ganz so bekannt sind der Sedan-Tag und der Skagerrak-Tag, an denen deutsche Siege gefeiert wurden. In der guten, alten Zeit feierte das ganze Volk außerdem Kaisers Geburtstag und die Kinder hatten schulfrei. Und in der bösen alten Zeit sollen ein paar Verblendete sogar “Führers” Geburtstag gefeiert haben, auch wenn sich daran gar niemand mehr erinnern kann.

Andere Nationen haben auch ihre Nationalfeiertage. Die Amerikaner feiern damit den Ausbruch ihres ersten eigenständigen Krieges, die Franzosen feiern, daß sie einen Grund gefunden hatten, ihre bisherige Regierung zu köpfen, zahlreiche afrikanische Nationen feiern die Ablösung einer funktionierenden Kolonialverwaltung durch chaotische und korrupte Einheimische. Und die Belgier wissen gar nicht so recht, was sie nun wann feiern sollen.

Bis 1990 haben wir am Tag der deutschen Einheit gefeiert, daß unsere russischen Freunde ein paar aufmüpfige Arbeiter niedergewalzt haben, die nicht bereit gewesen waren, für weniger Lohn mehr zu arbeiten. Das hat so nachhaltig gewirkt, daß heute niemand mehr aufmuckt, wenn er für weniger Geld mehr arbeiten soll. Es gibt sogar Professoren, die das als Allheilmittel empfehlen, natürlich nur für Nicht-Professoren.

Heute feiern wir am 3. Oktober ein Ereignis vom 9. November, nämlich den Fall der Mauer. (Für junge Leute, deren Geschichtsunterricht sich auf die deutschen Verbrechen von 1933 bis 1945 beschränkt hat: Diese Mauer trennte einstmals Berlin-West von der Hauptstadt der DDR, hieß offiziell antifaschistischer Schutzwall und stand als Synonym für die ganze “Zonengrenze”, den “Todesstreifen” zwischen dem freien Teil Deutschlands und der BRD. Jene Mauer sollte die Bewohner des freien und demokratischen Deutschlands davor schützen, aus Versehen in den dekadenten und faschistischen Teil Deutschlands abzuwandern, der revanchistischen BRD.)

Dummerweise war der 9. November schon anderweitig besetzt gewesen, nicht nur durch die nebensächliche Kapitulation von 1918. Da hat 1923 jemand ganz Verwerflicher gegen die staatliche und demokratische Ordnung putschen wollen, das können wir bestimmt nicht feiern. Und für die Ereignisse des Jahres 1938 müssen wir die kommenden Jahrtausende hindurch mindestens so schämen wie für den Weltausschwitztag, deshalb geht es ganz einfach nicht, daß der 9. November zum Nationalfeiertag erhoben wird.

Obwohl, Nationalfeiertag? Dürfen wir überhaupt so etwas haben?

Gut, in gewissen Grenzen dürfen Sie in Deutschland national gesinnt sein. Ja, ehrlich. Also in sportlicher Hinsicht. Wenn Sie den Weltmeistertitel unserer Fußballerinnen feiern wollen, oder den Weltmeistertitel unserer Handballer. Oder den verpaßten Weltmeistertitel unserer Millionärs-Kicker. Da dürfen Sie sich sogar eine Deutschlandfahne ans Auto heften oder die Nationalfarben ins Gesicht schminken.

Sie dürfen auch rückhaltlos unsere Bundeskanzlerin bewundern, ihre internationalen Erfolge, ihren modischen Geschmack, ihren neuesten Flugmeilenrekord, ihre unverbrüchliche Treue zu Israel, ihr konsequentes Eintreten für die Machtinteressen der USA… Sie dürfen vermutlich noch stolz darauf sein, daß Sie die höchsten Steuern und Abgaben der ganzen Welt bezahlen und daß unsere Politiker es schaffen, mit Ihrem Geld in näherer Zukunft vielleicht einen ausgeglichenen Bundeshaushalt ohne Neuverschuldung hinzubekommen.

Ansonsten sollten Sie mit dem Begriff “national” besser zurückhaltend umgehen. Es beleidigt unsere europäischen Mitbürger, wenn Sie ständig darauf hinweisen, daß Deutschland die höchsten Beiträge in die EU-Kassen entrichtet. Weinen Sie auch nicht mehr der Deutschen Mark nach, sondern akzeptieren Sie einfach, daß die alten Inflationsstaaten dadurch auf Kosten Deutschlands profitieren. Und freuen Sie sich auf die großartige EU-Verfassung, ohne daran zu erinnern, daß es eine deutsche Verfassung nicht wirklich gibt.

Wenn Sie das Wort “Deutschland” oder den Begriff “national” unkontrolliert verwenden, vor allem in Zusammenhängen, die Regierung und Staatsfunk geflissentlich vermeiden, sind Sie mit Sicherheit ein Neonazi. Das Wort Neonazi ersetzt heute einen altertümlichen Begriff, der nur noch in Zusammenhang mit Ausländern verwendet wird. In Deutschland von “Patrioten” oder gar von “Patriotismus” zu sprechen, ist verpönt, ja, noch schlimmer, politisch inkorrekt.

Ein guter Deutscher ist ein Antifaschist, schämt sich unablässig für Auschwitz, auch wenn sich keine zwei “seriöse” Historiker oder “seriöse” Veröffentlichungen einig sind, wie viele Menschen welcher Religionszugehörigkeit dort auf welche Weise ums Leben gekommen sind. Nebenbei, “zu viele” ist fast immer richtig. Außerdem verehrt ein guter Deutscher den britischen Luftmarschall Harris und fährt nach Dresden, um dort den ewig Gestrigen zu erklären, daß sie an ihrer Bombardierung selbst schuld gewesen waren.

Jeder andere Deutsche, der beispielsweise darauf hinweist, daß er nach 1945 geboren worden ist, und deshalb garantiert keinen Anteil an den Nazi-Verbrechen hatte, ist schon ein Rechtsradikaler. Noch schlimmer ist nur, wenn jemand erklärt, von Israel gingen nicht nur Liebe und Frieden aus, und der Staat besäße mehr Atombomben als Großbritannien, Frankreich oder China. Der ist dann ein Antisemit! Das ist das derzeit schlimmste Gedankenverbrechen, das Sie begehen können.

Gut, die Juden stellen nur einen geringen Teil der semitischen Völker dar (von “Rassen” dürfen Sie bestenfalls bei Hunden sprechen), seit ein Jude namens Koestler sein Buch “Der 13. Stamm” geschrieben hat, ist noch nicht einmal sicher, daß die große Masse der Juden überhaupt Semiten sind. Die Palästinenser hingegen sind eindeutig Semiten, das hat noch nie jemand bezweifelt. Aber sollten Sie behaupten, eventuell nicht semitische Juden würden semitische Palästinenser schlecht behandeln, dann sind Sie ein Antisemit. Und wenn Sie nach der Logik dahinter fragen, auch noch ein Neonazi.

Deshalb steht in der Überschrift hinter dem “National” auch ein Fragezeichen. Als Franzose dürfen Sie einen Nationalfeiertag haben, als Deutscher sollten Sie besser nicht darauf bestehen. “Tag der deutschen Einheit” klingt viel harmloser und ist solange politisch korrekt, wie Sie erklären, daß die “Einheit des deutschen Volkes in Freiheit” vollendet sei. Falls Sie allerdings die “deutschen Ostgebiete” erwähnen und gar glauben, daß die Wiedervereinigung erst noch kommen sollte, sind Sie… ja, natürlich, ein Neonazi, ein Revanchist, ein… jedenfalls ein Böser.

Als Franzose durften Sie zwischen 1871 und 1918 jederzeit davon reden, daß Elsaß und Lothringen nach Frankreich zurückzukehren hätten, gerne auch schnell und mit Waffengewalt. Aber als Deutscher wissen Sie, daß Pommern, Westpreußen, Ostpreußen, Posen und Schlesien urpolnische Gebiete waren, sind und bleiben. Der Franzose war damals ein Chauvinist, was von seinen Zeitgenossen durchaus anerkennend gemeint war. Der Deutsche hingegen ist… ja, böse.

Am besten, Sie vermeiden jeden Anschein von Nationalitätsbewußtsein. Schon bei der Namensgebung Ihrer Kinder… Weibliche Vornamen sind nicht ganz so belastet, Leni und Eva wären vielleicht nicht so gut. Bei männlichen Vornamen hingegen sollten Sie größte Vorsicht walten lassen. Auch wenn Sie den Schwedenkönig Gustav Adolf verehren, steckt leider in diesem Vornamen zehnmal soviel Adolf wie Gustav. Sollte Ihr Lieblingsschriftsteller Hermann Hesse sein, vermeiden Sie trotzdem diesen Vornamen. Und bei Karl May… Nun ja, nennen Sie Ihren Sohn doch lieber Winnetou, das ist unverfänglich.

Ratsame und unbelastete Vornamen sind Björn, Ole, Sascha und Sven, noch besser David, Salomon, Mohamed oder Abdullah. Wenn Ihr Sohn Ötztürk Selim Schmidtbauer heißt, kommt er garantiert viel besser mit seinen Mitschülern aus, als wenn er Friedrich Wilhelm heißen würde. Mit der richtigen Ehefrau bekommt er auch noch den Schmidtbauer weg, und mit dem Nachnamen Etschevit darf er sogar ein Patriot sein und die weitere Landnahme seiner angeheirateten Landsleute umfassend gutheißen.

Dank der Demographie können wir ab 2032 den Tag der deutschen Einheit durch den Tag der deutschen Minderheit ersetzen. Vielleicht wird sich das Leben in diesem Land dann ein wenig verändern, aber die wichtigsten Errungenschaften einer toleranten Gesellschaft bleiben erhalten. Der §130 StGB (Volksverhetzung) wird um die Verunglimpfung des Propheten erweitert, dafür bleibt der Cristopher-Street-Day erhalten, wenn die Teilnehmer bereit sind, dabei Ganzkörperschleier zu tragen.

Die lästige Patriotismusdebatte hat sich dann ebenfalls erübrigt. Bundeskanzler Kemal Eroglu wird dafür sorgen, daß die vormaligen Hilfen für Israel nun an die Palästinenser fließen, außerdem wird er die neutürkischen Ostgebiete (Pommern, Westpreußen, Ostpreußen und Posen) von Polen zurückfordern. Und natürlich die neutürkischen Westgebiete Elsaß, Lothringen und Eupen-Malmedy von Franzosen und Belgiern.

Es gibt jedoch ein paar kleine Veränderungen im politischen Leben. Die Islamisch Demokratische Union ersetzt die vormalige CDU, in Bayern regiert die Islamisch Soziale Union. Die Opposition hat es da leichter, Islam 2030 / Die Grünen haben längst die Fahne des Propheten als Parteifarbe erkoren. Am linken Rand hält sich die nach wie vor in der Neumitteltürkei starke Partei des Demokratischen Islam. Ach ja, die Sozial-Islamische Partei regiert in einigen Bundesländern mit. Und die Freie Islamische Partei ist zu jeglichen Koalitionen immer bereit, vorausgesetzt, es springen ein paar schöne Pöstchen und Dienstwagen heraus.

Durch konsequente Unterdrückung und Ausmerzung von Rechtsradikalen und Neonazis schaffen die progressiven Kräfte garantiert eine bessere Welt. Gut, leider ist Antifaschismus unislamisch, soweit er sich gegen den neutürkischen Patriotismus richtet, deshalb werden ein paar Leute sich ein wenig wundern, aber das passierte ja auch im Gedicht vom Zauberlehrling.

Der National-Feiertag mag zwar nicht besonders beliebt sein, aber wir sollten ihn trotzdem feiern, solange wir als Nation noch existieren. Wie lange das noch sein wird, ist ungewiß. Sicher ist nur, daß es ganz böse ist, das noch lange tun zu wollen. Demokraten tun das nicht, nur Neonazis und Rechtsradikale. Deshalb wenden Sie sich von der Vergangenheit ab und zeigen Sie, daß Sie gegenüber der Zukunft aufgeschlossen sind, und lernen Sie türkisch. Falls Ihre Volkshochschule solche Kurse noch nicht anbietet, fragen Sie in der nächstgelegenen Moschee. Die vermitteln Ihnen auch gerne einen Korankurs für Anfänger.

Und nächstes Jahr feiern wir nicht mehr den Tag der deutschen Einheit, sondern ein großes interkulturelles Freundschaftsfest. Aber ohne Antifaschisten, die müssen leider draußen bleiben und die Neonazis verprügeln. Natürlich ohne deutsche Patrioten, denn die braucht keiner mehr, die gehören auf den Müllhaufen der Geschichte. Aber vielleicht dürfen wir unsere letzten Tage in einem schönen Reservat verbringen, irgendwo in Sibirien oder im menschenleer gewordenen Anatolien.

Quelle: Michael Winkler





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